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It’s that time again! Aber diesmal nur ein kurzes Update. Ich wollte meinen politischen Kompass mal wieder überprüfen. Vielleicht hätte ich diesmal die größte Übereinstimmung mit der NPD gehabt, wäre doch bestimmt spaßig gewesen. Um das herauszufinden, habe ich erneut zu 38 Aussagen im Wahl-O-Mat Stellung bezogen. Dieser wurde inzwischen mit den Thesen aller Parteien zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein gefüttert.

Mich wundert es inzwischen schon ein wenig, dass bei mir immer die Piraten ganz oben stehen, immer die CDU ganz unten steht, aber der Rest wird beinahe bunt durcheinander gewürfelt. Offenbar müsste ich echt eine ganze Menge verqueres Zeug im Kopf haben, damit mir mal eine andere Partei mehr entspräche. Aber gut zu wissen, dass sich der Wahl-O-Mat zumindest bei den beiden Extremen immer mit meiner persönlichen Einschätzung deckt.

Achja, wenn ich gerade sowieso schon wieder bei meinen Lieblingspiraten bin: Ich kann den FAZ-Online-Artikel über den „Shitstorm der Etablierten“ empfehlen.

Ich bin zwar kein Saarländer, aber ich habe mal wieder die Probe aufs Exempel gemacht und mich spaßeshalber durch die Thesen im Wahl-O-Mat zur Landtagswahl im Saarland 2012 geklickt. Bei vielen kommunalen Themen musste ich mich enthalten, da mir für eine Einschätzung das Hintergrundwissen fehlt, aber ich habe mich bemüht, mich meistens für eine Seite zu entscheiden.

Oh, welche Überraschung, die Piratenpartei mit deutlichem Abstand auf Platz 1. Auf dem hinterletzten Platz, da wo sie eigentlich hingehört, ganz knapp nach der FDP: die ach so wunderbare CDU, die – warum auch immer (rhetorische Frage) – die Geschicke unseres Landes lenken darf.

Doch überraschend allerdings ist für mich, dass Martin Sonneborns Die PARTEI bei mir sogar auf Platz 2 landet. Auf Platz 3 dann aus einem mir unverständlichen Grund leider die NPD, was mir ein klein wenig zu denken geben sollte. Da hätte ich eigentlich lieber die Grünen gesehen. Vielleicht habe ich bei der einen oder anderen Frage etwas zu hoch gegriffen, und dabei hatten meine Antworten so gar nichts nationalistisches.

Aber ich stehe zu dem Ergebnis, denn ich wollte ja ganz bewusst die Fragen nicht so beantworten, damit mir das Ergebnis passt, sondern so wie ich es für richtig halte. Die wichtigsten Parteien sind nämlich genau da wo ich sie haben will. Die schwarzgelbe Fortschrittsbremse am unteren Ende und die progressiven Piraten ganz oben.

Update vom 19.03.: Danke an Gordon für die ausführliche Recherche und den Hinweis. Dass bei Piratenwählern die NPD so weit oben in der Liste auftaucht, ist kein Weltuntergang und liegt einfach daran, dass bei den gegebenen Thesen die NPD und die Piraten zufällig oft derselben Meinung sind. Das sagt eben nichts darüber aus, wie oft Piraten und NPD völlig gegensätzlicher Meinung sind. Die Auswahl der Thesen hat eben nicht besonders viel Piraten- oder NPD-spezifisches und so ist die Übereinstimmung durchaus nicht so unwahrscheinlich.

Niemand muss Angst haben, dass ihm plötzlich die Haare ausfallen, dass ihm Springerstiefel an den Füßen und Schlagringe an den Händen wachsen und dass ihn seine Beine eigenmächtig zu Naziaufmärschen tragen.

Update vom 20.02.: Danke an Ulke für den mehr oder weniger beabsichtigten Wink mit dem Zaunpfahl. Bevor ich nun Bomben- und Morddrohungen von irgendwelchen christlichen Fundamentalisten erhalte, möchte ich eine Sache ganz dringend klarstellen: Ich bin kein Fan und kein Mitglied der Kirche, und einiges was die Kirche tut oder nicht tut, verurteile ich. ICH persönlich habe dennoch keinen Grund, die katholische Kirche in nachstehender Weise zu beschimpfen und ich werde das auch nicht tun. Mir ist der Begriff wirklich zu derb. Der Punkt ist aber: Ich finde es richtig, dass, wenn jemand eine solche Meinung über diesen Verein zu haben scheint (wie der werte Herr Kantel), er diese Meinung auch öffentlich äußern darf, ohne dafür verklagt und bestraft zu werden. Das ist der Punkt, den ich an folgendem Beitrag positiv bewertet habe. Soweit kommt es noch, dass jemand für drei Jahre in den Bau wandert, nur weil er die Kirche verachtet und dies auch sagt.

Der folgende Beitrag betrachtet NICHT die Fragestellung, ob und inwieweit die genannte Bezeichnung angebracht ist oder eben nicht. Das soll mal schön jeder für sich selbst tun.

Mit Religionen ist es so eine Sache. Ich finde ja, was Menschen in ihrer Freizeit glauben oder an religiösen Aktivitäten ausüben wollen, bleibt alleine ihre Sache, solange sie niemanden damit belästigen und niemandem schaden. Wo religiöse Menschen anfangen wollen in irgendeiner Weise zu missionieren, da hört meine Toleranz gegenüber gläubigem Volk auf. Im Beruf und in der Politik haben Religionen nichts zu suchen. Das ist einer von mehreren Punkten, die den ganzen Misthaufen an christlichen deutschen Parteien, allen voran CDU und CSU, für mich unwählbar machen. Diesen Parteien spreche ich mit voller Überzeugung jede Existenzberechtigung ab, solange sie nicht bereit sind, christliche Interessen aus ihren Parteiprogrammen zu streichen. Meiner Meinung nach ist schon das „C“ im Parteinamen nichts weiter als der (leider gelungene) Versuch, christlichem Bauernvolk zu suggerieren, welche Partei sie zu wählen haben.

In einem säkularen Staat ist es außerdem ein absolutes Unding, eine wahre Zumutung, dass Nichtgläubige sich §166 StGB gefallen lassen müssen, in dem Gotteslästerung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden kann. Welches imaginäre Wesen ich wann und wie beleidige, das bleibt immer noch meine Sache, und hat auch die Judikative nicht zu kümmern. Besonderer Schutz der Religionen ist nicht Aufgabe des Staates, denn sonst hätte auch jeder andere Verein einen Anspruch auf Verankerung eines solchen individuellen Paragraphen, der die Vereinsmitglieder vor Andersdenkenden schützt. Zum Glück weiß ich nicht, in welcher Weise dieser Paragraph anderen schon zum Schaden gereicht wurde, denn sonst wäre mein Unrechtsempfinden wieder einmal erheblich tangiert. Dieser Paragraph gehört eigentlich sofort entfernt, und es ist unentschuldbar, dass er heute noch Bestand hat.

Um diese Einleitung nun also mit einem aktuellen Ereignis in Verbindung zu bringen: Der Blogger Jörg Kantel hat kürzlich auf seinem Blog „Der Schockwellenreiter“ die katholische Kirche als „Kinderficker-Sekte“ bezeichnet und wurde dafür prompt verklagt. Nun wurde die Eröffnung des Hauptverfahrens von der zuständigen Richterin abgelehnt. Die Begründung lautet sinngemäß, dass der öffentliche Frieden nicht gestört ist und dass die Bezeichnung keineswegs völlig aus der Luft gegriffen ist. In meinen Augen ein echter Sieg der Meinungs- und Pressefreiheit. Furchtbar enttäuscht hätte mich, wenn eine solche Klage Erfolg gehabt hätte. Desillusioniert wird man heute ja beinahe täglich, da kommt mir sowas gerade recht.

Die katholische Kirche muss sich nun also gefallen lassen, öffentlich als Kinderschänder-Sekte bezeichnet zu werden. Dass ich das noch erleben darf, ist eine echte Freude. So, und jetzt richte ich noch ein Gute-Nacht-Gebet an das fliegende Spaghettimonster, auf dass es uns noch weitere solche witzigen Geschichten bescheren möge.

Gestern las ich einen Artikel der Autorin Eva Schumann, der mir wirklich gruselig erschien. Im Prinzip wollte sie die vermeintliche Argumentation der ACTA-Kritiker zerpflücken, die sie hauptsächlich als dumm-jugendliche Piratenwähler und damit ziemlich naiv als Filmdownloader hinstellen wollte. Also alles ganz frei von Unterstellungen und Vorurteilen. Sie beschreibt darin ihre Sichtweise über ACTA als Urheber, und dass sie schon durch ihren Beruf berechtigte Gründe habe, am bisherigen Urheberrecht festzuhalten. Wer ACTA ablehnt, der wolle offenbar nur das Urheberrecht abschaffen und illegale Downloads legalisieren. Dass die europaweiten Proteste gegen ACTA nicht allein damit zusammenhängen, dass hier Menschen um ihre geliebten Torrents und Rapidshare-Downloads bangen, das wurde ihr auf Google+ schon deutlich gemacht. Ich fand allerdings zwei, drei ihrer Punkte sehr kurios, die noch nicht übermäßig oft angesprochen wurden, denn ihr Artikel enthält für meinen Geschmack doch stellenweise ziemlich viel Fünününü, wenn sie davon spricht wie hart das Leben einer glücklosen Autorin ist, die vier(!) Monate an einem Buch schreibt. Mal davon abgesehen, dass sie sehr undifferenziert über eine ganze Generation von Internetusern urteilt und von Enteignung spricht, wenn die Leute, wie auch ich, fordern, dass das Urheberrecht modernisiert (nicht abgeschafft) gehört, spricht sie im restlichen Artikel einige Themen an, die offenbaren, dass sie eine etwas verdrehte Sicht der Dinge hat.

Es steht jedem frei, zu schreiben, komponieren, fotografieren und seine Werke als frei zu deklarieren (GNU-Lizenz für freie Dokumentation). Doch ich möchte vom Schreiben leben können.

Die Menschen möchten vermutlich viel. Ich würde mein Geld vielleicht auch lieber als Schauspieler verdienen, aber das kann ich eben nicht, denn mich würde niemand dafür bezahlen, höchstens als Laiendarsteller oder Statist in irgendeiner billigen Fernsehserie. Wenn ich es dennoch versuchen würde, und es nicht klappt, darf ich mich dann beklagen? Wenn ich mich nun ab heute als Autor bezeichne und Bücher schreibe, die niemand kauft, darf ich dann über die verkorkste Gesellschaft schimpfen, die mich um mein verdientes Geld bringt? Wenn ich von dem, was mein selbstgewählter Beruf mir einbringt, kaum leben kann, wäre es dann nicht eigentlich besser, wenn ich einer anderen Beschäftigung nachgehe, die für mich rentabler ist? Nicht jedem ist es vergönnt, sich allein dem zu widmen, was ihm Spaß macht. Das haben schon viele andere vorher lernen müssen, wieso Frau Schumann nicht auch? Als ich 14 war, wollte ich immer Spieletester werden. Wenn es aber niemanden gibt, der mich fürs Spieletesten anständig bezahlt, dann muss ich das eben in meiner Freizeit oder im Urlaub machen, und mir einen anderen Job suchen. Mich nun einfach selbst als Spieletester zu bezeichnen, und zu verlangen, dass das schon reichen wird, löst das Problem nicht, dass meine Dienste als Spieletester offenbar niemand braucht. Heute betreibe ich einen kleinen Blog, von dem ich ebenfalls nicht leben kann, wieso gehe ich nicht eigentlich davon aus, dass mir das Bloggen zum Leben reichen können sollte? Ich möchte doch so gern vom Bloggen leben können…

Etwas ganz anderes an der Sache will mir aber so gar nicht gefallen. Was soll ich von der Idee halten, dass jemand Bücher schreibt, damit er davon leben kann? Was sind das für Bücher, die jemand in regelmäßigen Abständen veröffentlichen muss, damit er nicht verhungert? Das erinnert mich an Fließbandproduktion. Denken sich Künstler „Verdammt, ich hab nichts mehr zu Essen im Kühlschrank und kein Geld mehr auf dem Konto, ich muss schnell ein Bild malen und verkaufen“? Das kann doch der Qualität der Arbeit in keinster Weise zuträglich sein. Ein Buch schreibt man doch, wenn man denkt, dass man etwas hat worüber man unbedingt schreiben müsste. Ein Bild male ich erst dann, wenn ich eine Eingebung habe. Wenn meine Intention für das Schreiben von Büchern die ist, dass ich unbedingt davon leben können muss, dann kann doch dabei nur Mist rauskommen – und zwar viel davon, denn wenn das Buch sich – aus gutem Grund – nicht richtig verkauft, dann muss ich ja sofort ein zweites und ein drittes Buch schreiben, wo einem anderen (erfolgreichen) Autor finanziell gesehen ein einziges Buch gereicht hätte, um seinen Esstisch für Jahrzehnte zu decken. Noch ein Grund mehr, warum das Schreiben von Büchern doch besser in der Freizeit geschehen sollte, also genau da wo man sich keine Sorgen um seine Einkünfte machen muss.

[…] aber ich will, dass Gesetze auch im Internet gelten – allerdings gehören die auch mal eindeutig für das Internet ausgelegt und kommuniziert, statt User und Publisher in Fallen laufen zu lassen, in der Hoffnung, dass Gerichte alles irgendwann klären werden, während sich die Politik irgendwo versteckt. Aber grundsätzlich: Wenn ich die Situation auf ein Gasthaus übertrage: Von einem Wirt verlange ich doch auch, dass er dafür sorgt, dass in seinem Laden das Gesetz eingehalten wird, dass er dort keinen Drogenhandel duldet und Kindern keinen Alkohol verkauft. Warum soll man das nicht auch von einer Internetplattform verlangen können.

Nun bringt Frau Schumann ein sehr amüsantes Beispiel, über das ich lachen musste. Gehen wir einmal davon aus, dass dieses Gasthaus in irgendeinem Land steht, dann wird der Gastwirt selbstverständlich die Gesetze, die es in diesem Land gibt, befolgen müssen, da er sonst mit Konsequenzen rechnen muss. Wenn also Alkohol für Kinder und Drogenhandel in diesem Land verboten sind, dann sollte der Wirt sich tunlichst danach richten. Aus diesem Grund ist das Beispiel eher unpassend: Würde dieses Gasthaus nun nämlich so gigantisch groß sein, dass es die gesamte Welt umspannt, die Gesetze welchen Landes sollte man dann darin befolgen? Die aus dem der Gastwirt kommt? Die aus dem der Gast kommt? Die des Landes auf dem der Stuhl steht, auf dem man sitzt? Die in dessen Einzugsbereich man zufällig gerade stand, als man das Gesetz brach? Die aus dem das Essen kommt, das ich mir bestellt habe? Ich denke es sollte jedem klar sein, worauf ich hinaus will.

Wer darf hier festlegen, wessen Gesetz es war, das ich gebrochen haben soll? Vielleicht habe ich ja nur die Gesetze eines völlig anderen Landes penibel genau befolgt? Was für den einen Gast illegal ist, ist für den anderen völlig legal. Wofür der eine Gast die Todesstrafe erwarten kann, mag für einen anderen Gast kaum der Rede wert sein. Es gibt keine eindeutigen Gesetze für das Internet, da es keine globalen Gesetze gibt. Die für uns selbstverständlichsten Richtlinien haben auf der anderen Seite der Erde womöglich überhaupt keine Bedeutung – und umgekehrt. Das fängt ja schon bei Dingen wie den Menschenrechten an. Bei einer globalen Erscheinung wie dem Internet kann man nicht so einfach nationale Gesetze anwenden. Das ist vielleicht für Menschen schwer zu verstehen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind, und sich so eine „Welt“ kaum vorstellen können. Wenn 100 Menschen eine (in Deutschland urheberrechtlich geschützte) Datei herunterladen, dann kann man nicht die 17 deutschen User nach deutschem Recht bestrafen, die 23 Amerikaner nach US-Gesetzgebung, 14 Japaner werden in Japan angeklagt, sieben Afrikaner gehen straffrei aus, und im Iran wird jemand wegen Besitzes von unzüchtigem Filmmaterial gesteinigt, weil es sich vielleicht um einen Pornofilm mit homosexuellem Inhalt handelt, usw. So funktioniert das einfach nicht. Zuerst müssten Gesetze her, die weltweit uneingeschränkt Gültigkeit haben.

[…] und zwar sollte Illegales in Deutschland erst gar nicht angeboten werden dürfen, statt den überforderten Nutzer oder Publisher ins Verderben sausen lassen. Da sollte sich die Politik endlich mal dran setzen und die Regeln formulieren.

Hier noch einmal derselbe Käse. Illegales DARF ja in Deutschland auch erst gar nicht angeboten werden, dafür sorgt schon die Tatsache, dass es illegal ist. Aber das Internet ist eben nicht Deutschland. Das scheint die Autorin nicht zu begreifen. Es müsste der Politik also entweder gelingen, international gültiges Recht zu schaffen, das auch im hintersten Winkel der Erde durchgesetzt wird, oder man fängt eben damit an, die Ländergrenzen im Internet klarer abzustecken. Und gegen letzteres bin ich ganz entschieden. Ersteres wäre sicher wünschenswert, aber wohl eher Utopie.

Ich lese die Artikel von Spiegel Online eigentlich immer ganz gerne mal, aber nach einem Artikel dort letzte Woche zum überraschenden Ergebnis der Piratenpartei bei den Landtagswahlen in Berlin, zweifle ich an der journalistischen Kompetenz der Online-Redakteure. Ich war mir jedenfalls dabei etwas unsicher ob ich lachen oder weinen sollte. Ich spreche von dem Artikel „Berliner Piratenpartei – Jung, dynamisch – frauenfeindlich?“ von Florian Gathmann und Annelie Naumann – jung, dynamisch – piratenfeindlich?

Man muss kein Piratenwähler sein, um zu merken, dass das nichts weiter als ein erbärmlicher und verzweifelter Versuch ist, den Piraten nur irgendwie ans Bein zu pinkeln. Der Artikel ist so schlecht und hetzerisch, dass es schon peinlich ist. Herr Gathmann und Frau Naumann bezeichnen die Piraten darin als „Machoverein“ und als frauenfeindlich – und zwar weil bei den Piraten zuwenig Frauen sind. Zum schmunzeln bringt mich die Tatsache, dass ein Artikel über die angebliche Frauenfeindlichkeit der Piraten von zwei Personen verfasst wird, deren Nachnamen auf „-mann“ enden. Wer einen solch frauenfeindlichen Nachnamen hat, muss ein Frauenfeind sein.

Dabei würden die Piraten sofort den roten Teppich ausrollen, wenn dadurch die Aussicht auf mehr weibliche Mitglieder bestünde. Die Piratenpartei setzt sich eben noch zu einem großen Teil aus IT-Leuten und Naturwissenschaftlern zusammen und dort ist der Anteil Frauen bekanntlich auch nicht gerade überragend. Das liegt höchstwahrscheinlich an der Frauenfeindlichkeit der Informatiker. Kaum sind die Piraten mit gerade mal 15 Leuten ins Landesparlament eingezogen, wird eine Frauenquote gefordert. Wie wärs wenn ihr den Jungs erstmal Zeit gebt, sich selbst mit dieser Wahlüberraschung auseinanderzusetzen?

Lächerlich ist auch, dass die Autoren den Eindruck erwecken möchten, als würde es Frauen zusätzlich schwerer gemacht, sich bei den Piraten zu engagieren. Selbstverständlich sind die Männer schuld, wenn die Frauen sich nicht aktiv beteiligen. Die Piraten halten eine Unterteilung in Männer und Frauen für überholt. Der Kommentar der Autoren hierzu: „Das klingt modern – ist es aber nicht.„. Und wer hat die eigentlich zum Richter darüber ernannt, was modern ist und was nicht? Ich finde das durchaus modern. Überhaupt, wieso müssen da jetzt wieder die Feministen und Feministinnen aus ihren Löchern kriechen? Die Piraten sind noch nicht mal etabliert und Frauen sind herzlich eingeladen Mitglied zu werden und sich aktiv für Themen einzusetzen, die ihnen wichtig sind. Eine Frauenquote zu fordern, kaum da die Piraten die ersten Früchte ihrer Arbeit ernten, ist jedenfalls alles andere als modern. Das kann ich doch wohl mindestens ebensogut beurteilen wie die beiden Spiegel-Redakteure.

Ich meine, es ist eine Sache die Piraten für ihr Parteiprogramm zu kritisieren. Damit habe ich gar kein Problem, wenn die Kritik berechtigt und konstruktiv ist. Aber es ist eine andere Sache sie aus völlig hanebüchenen Gründen zu verteufeln: „Bei den Piraten gibt es zuwenig Frauen, also muss die Partei frauenfeindlich sein“. Muss das sein? Nice try, idiots.

Jeder der jetzt mit dummen Sprüchen à la „Welches Parteiprogramm?“ anfangen wollte, darf meinetwegen zur Hölle fahren. Informiert euch, es schadet nicht. Für eine so junge Partei ist das Programm schon recht umfangreich. Wer Piratenwähler flamen möchte, braucht diesen Artikel weder zu lesen noch zu kommentieren.